1. Strophe
Die Schornsteine steh’n heute schweigend im Wind,
Kein Rauch steigt mehr auf, wo wir zuhause sind.
Das Tor zur Montage bleibt heute verriegelt,
Das Schicksal der Schicht ist im Auftragsbuch besiegelt.
Kein Summen der Fräsen, kein hämmernder Takt,
Nur Wind weht durch Hallen, die man leergeräumt hat.
Die Bänder steh’n still, und man fragt sich beklommen:
Wo ist denn der Aufschwung bloß hingekommen?
Refrain
Und es ist wieder Krise, es ist Rezession,
Man spricht von Transformation und dem kargen Lohn.
Die Kurven fall’n tief und der Mut ist so klein,
Es müsste doch eigentlich ganz anders sein.
2. Strophe
Im Büro stapelt sich das Papier bis zum Dach,
Die Bürokratie hält den Gründergeist noch irgendwie wach –
Doch nicht, um zu schaffen, nur um zu verwalten,
Um Formularberge am Leben zu halten.
Der Strompreis ist hoch und die Hoffnung wird rar,
Was gestern noch sicher, ist heute nicht wahr.
Der Fachmann geht fort oder bald in die Rente,
Wir zählen die Tage und die Prozente.
3. Strophe
Man hört aus der Ferne die Reden der Großen,
Vom „Wumms“ und vom „Doppel“, von „Zukunftslosen“.
Sie malen uns Bilder in schillernden Farben,
Während im Mittelstand Betriebe erstarren.
Ein Laden schließt hier und ein Werk schließt dort drüben,
Man versucht sich im Lächeln, im Hoffen und Üben.
Doch die Bilanz ist am Ende recht nüchtern und kalt:
Der Standort wird leise, der Standort wird alt.
4. Strophe
Ich geh’ durch die Straßen, seh’ leere Schaufenster,
Dort jagen die Pleiten wie graue Gespenster.
Kein „Wirtschaftswunder“, kein Stolz mehr im Blick,
Nur Sehnsucht nach einem Stück Boden zurück.
Der Sonntag ist ruhig, doch die Sorge bleibt wach,
Sie sitzt mit am Tisch und sie schläft unterm Dach.
Wir warten auf Rückenwind, warten auf Licht,
Doch der große Umschwung, der kommt heute nicht.