Reinhard Mey ... Cover by Alex
Links überm Ohr hast du wohl eben
Dein erstes graues Haar ertappt
Dir ist als wär′ in deinem Leben
Eine Tür lautlos zugeschnappt
Hinter der helle Räume liegen
Die dir ab heut' verschlossen sind
Da gibt es gar nichts dran zu biegen
Jetzt bist du doch ein altes Kind
Tja, komisch, ein Dritteljahrhundert
War′s schwarz, nun ist es plötzlich grau
Was dich am meisten daran wundert
Du weiß nicht einmal ganz genau
Für welchen Kummer, welche Narbe
Auf deinem Kopf dies Denkmal steht
Du ahnst wohl nur, daß mit der Farbe
Auch ein Stück deiner Jugend geht
Vom Abschiednehmen mag es kommen
Das stets ein wenig Sterben heißt
Und Du hast oft Abschied genommen
Warst stets ein wenig mehr verwaist
Vielleicht hast du es auch besungen
Doch hellwach aus durchlebter Nacht
Als Du im Glück den Wahrheitsfunken
Erkennen konntest, mitgebracht
Übers Ohr, wo das Haar gesprossen
Hat man dich gern und oft gehau′n
Haß und Neid haben dich verdrossen
Doch nie genug, um zu ergrau′n
Du hast ein dickes Fell im Nehmen
Nur eignes Unrecht kann dich leicht
Nur deine eigne Schuld so grämen
Daß es für ein graues Haar reicht
Das Haar ist da, Du kannst es färben
Du kannst´s verstecken oder brauchst
Nur eine Mütze zu erwerben
Und ausreißen kannst du es auch
Aber Du mußt wohl damit leben
Außenseiter auf deinem Schopf
Wenn es sein muß, dann sei es eben
Herzlich willkommen auf deinem Kopf